Einfeldträger berechnen
Berechnung der Tragfähigkeit und Nachweise nach DIN EN 1995 für Holzträger
Lastangaben
Eigenlast der Konstruktion (Decke, Balken)
Nutzlast (Personen, Möbel)
Schneelast für Region (siehe Schneelastzonen)
Lasteinwirkungsdauer nur für Verkehrslast (Standard: Mittel)
System & Geometrie
Abstand zwischen den Trägern (typisch 40 - 100 cm)
Spannweite des Trägers (typisch 200 - 800 cm)
Trägerbreite (typisch 6 - 28 cm)
Trägerhöhe (typisch 12 - 150 cm)
Material & Randbedingungen
Zulässige Durchbiegung als Verhältnis (Standard: L/300)
Einfeldträger für Einsteiger
Was ist ein Einfeldträger?
Stell dir einen einfachen Holzbalken vor, der an beiden Enden auf etwas liegt – zum Beispiel auf zwei Wänden. Genau das ist ein Einfeldträger: Ein Balken, der zwischen zwei Stützpunkten liegt und Last trägt. Der Name kommt daher, dass es nur ein Feld gibt – also nur eine Spannweite zwischen den beiden Auflagern.
Ein Einfeldträger ist wie eine Brücke im Miniaturformat: Er überbrückt einen Abstand und muss dabei das Gewicht tragen, das auf ihm lastet. Anders als bei einer Brücke mit mehreren Pfeilern gibt es hier nur zwei Auflagerpunkte – einen am Anfang und einen am Ende.
Wo findet man Einfeldträger?
Einfeldträger begegnen dir überall im Hausbau:
- Deckenbalken: Die Holzbalken zwischen zwei Wänden, die deine Decke tragen
- Dachlatten: Die Latten zwischen den Sparren, auf denen die Dachziegel liegen
- Terrassenbalken: Die Balken unter deinen Terrassendielen
- Balkonkonstruktionen: Tragende Balken, die einen Balkon stützen
- Regale: Auch ein einfaches Regalbrett zwischen zwei Winkeln ist ein Einfeldträger
Wann braucht man eine Berechnung?
Nicht jedes Holzbrett braucht eine aufwendige Berechnung. Aber in diesen Fällen ist sie wichtig:
- Tragende Bauteile: Wenn der Balken ein wichtiger Teil der Statik ist – also wenn das Gebäude ohne ihn zusammenbrechen würde
- Größere Spannweiten: Je länger der Balken, desto kritischer wird die Dimensionierung. Ab etwa 3-4 Metern solltest du genauer hinschauen
- Hohe Belastungen: Wenn Menschen darauf laufen, schwere Möbel stehen oder Schnee darauf liegt
- Rechtliche Anforderungen: Bei baulichen Veränderungen verlangt das Bauamt oft einen Nachweis durch einen Statiker
Grundbegriffe einfach erklärt
Hier sind die wichtigsten Begriffe, die du kennen solltest:
Spannweite
Das ist ganz einfach der Abstand zwischen den beiden Punkten, auf denen der Balken aufliegt. Wenn dein Balken zwischen zwei Wänden liegt, die 5 Meter auseinander sind, dann ist die Spannweite 5 Meter.
Last
Die Last ist alles, was auf dem Balken liegt oder drückt. Das kann das Eigengewicht des Balkens selbst sein, Menschen die darauf laufen, Möbel die darauf stehen oder Schnee der im Winter darauf liegt. Man misst die Last meist in Kilogramm pro Quadratmeter.
Durchbiegung
Jeder Balken biegt sich unter Last etwas durch – das ist normal. Die Durchbiegung gibt an, wie stark sich die Mitte des Balkens nach unten bewegt. Zu viel Durchbiegung ist schlecht: Dann knarrt der Boden, Fliesen bekommen Risse oder der Balken fühlt sich beim Drüberlaufen schwammig an.
Holzklasse
Nicht jedes Holz ist gleich stark. Die Holzklasse sagt dir, wie belastbar dein Holz ist. C24 ist zum Beispiel eine gängige Klasse für normales Bauholz aus Fichte. Je höher die Zahl, desto fester ist das Holz.
Trägerquerschnitt
Das beschreibt, wie dick und wie hoch dein Balken ist. Ein Balken mit 10 cm Breite und 20 cm Höhe kann viel mehr Last tragen als ein dünneres Brett. Die Höhe ist dabei besonders wichtig – ein doppelt so hoher Balken trägt nicht doppelt, sondern viermal so viel!
Wie benutze ich diesen Rechner?
Der Rechner hilft dir, einen Holzbalken grob zu dimensionieren. So gehst du vor:
Schritt 1: Eingabe der Lasten
Überlege dir, welche Lasten auf deinem Balken wirken:
- Fixlast: Das Gewicht der Konstruktion selbst (Balken, Bretter, Dämmung)
- Verkehrslast: Menschen, Möbel – alles was sich bewegt oder verändert
- Schneelast: Falls es ein Dach ist – wie viel Schnee kann drauf liegen?
- Balkenabstand: Wie weit sind die Balken voneinander entfernt?
Schritt 2: System und Geometrie
Gib die Maße ein:
- Spannweite: Wie lang ist der Balken zwischen den Auflagern?
- Trägerbreite und -höhe: Die Abmessungen des Balkens, den du verwenden möchtest
Schritt 3: Material wählen
Wähle die Holzklasse aus. Wenn du unsicher bist: C24 ist Standard für normales Bauholz.
Schritt 4: Ergebnisse verstehen
Nach der Berechnung siehst du drei Ampeln:
- Grün (0-80%): Alles gut! Dein Balken ist ausreichend dimensioniert
- Gelb (80-100%): Grenzwertig. Der Balken funktioniert, aber du hast wenig Reserve
- Rot (über 100%): Zu schwach! Der Balken ist zu dünn oder zu lang für die Last
Darstellung im Rechner
Rechts unten in der Canvas-Darstellung siehst du eine kleine Ergebnisvorschau. Diese zeigt dir auf einen Blick, ob dein Balken für die eingegebenen Lasten ausreicht.

Detaillierte Nachweise
Wenn du auf die Ergebnisvorschau klickst, öffnet sich ein detaillierter Dialog mit allen drei Nachweisen: Biegenachweis, Schubnachweis und Durchbiegung. Du siehst genau, welche Spannung vorliegt und wie viel noch zulässig wäre.

Woher bekomme ich die Werte?
- Spannweite: Einfach ausmessen mit Zollstock
- Holzklasse: Steht auf dem Bauholz oder kannst du beim Händler erfragen
- Lasten: Schau in Bautabellen oder frag einen Fachmann. Für normale Wohnräume sind 150 kg/m² Verkehrslast üblich
- Schneelast: Abhängig von deiner Region – in Norddeutschland weniger, in den Alpen viel mehr
Komplette Holzbau-Berechnung: Vom Dach bis zum Fundament
Ein Träger ist selten allein – er ist Teil eines Gesamtsystems. Für ein komplettes Bauvorhaben wie ein Carport oder eine Terrassenüberdachung benötigst du mehrere Berechnungen:
Beispiel: Carport-Berechnung
- Einfeldträger berechnen (dieser Rechner)
Die horizontalen Dachbalken (Pfetten), die zwischen den Pfosten spannen und die Dachlast tragen. Hier ermittelst du Querschnitt und Durchbiegung der Balken. - Pfosten berechnen
Die vertikalen Stützen, die die Dachbalken tragen. Hier prüfst du den Knicknachweis und die Druckfestigkeit der Holzstützen. - Fundament berechnen
Die Betonfundamente unter jedem Pfosten. Hier dimensionierst du die Fundamentgröße basierend auf der Bodentragfähigkeit und der Pfostenlast.
Tipp: Beginne mit dem Einfeldträger, um die Dachlast zu ermitteln. Diese Last wird dann auf die Pfosten übertragen, deren Auflagerkräfte wiederum die Fundamentgröße bestimmen.
Wichtiger Hinweis
Dieser Rechner gibt dir eine erste Orientierung und hilft bei der Vordimensionierung. Er ersetzt aber nicht die Arbeit eines Statikers oder Tragwerksplaners!
Für alle baulichen Maßnahmen, die statisch relevant sind, brauchst du eine professionelle Prüfung und oft auch eine Baugenehmigung. Der Rechner verwendet vereinfachte Annahmen und kann nicht alle Einflüsse berücksichtigen, die in der Realität wichtig sind.
Im Zweifel: Lieber einmal zu viel fragen als einmal zu wenig! Deine Sicherheit und die deiner Familie steht an erster Stelle.